Der Weg zum Aktienmarkt für Anfänger


Aktien für Einsteiger: die Börse als Alternative zu unlukrativen Sparbüchern


  • Autor: Robert Spitz 
  • Publikation: 27.04.2021

Inhaltsverzeichnis

1. Themenhinführung

2. Aktien: Definition und Bedeutung

2.1. Partizipationsmöglichkeiten am Unternehmen durch Aktien

2.2. Die Börse als Zentrum des Geschehens

3. Eignungsfähigkeit für die Börse

3.1. Zielgruppe für den Aktienhandel
3.2. Personengruppen, die von einem Handel absehen sollten

4. Die Risiken an der Börse

4.1. Das magische Dreieck als Orientierungspunkt
4.2. Kein Handel ohne Risiko möglich

5. Wichtige Verhaltens- und Persönlichkeitseigenschaften für die Börse

5.1 Wissen als beste Investition zum Aktienhandel
5.2 Emotionen Einhalt gebieten - irrationales Handeln vermeiden 
5.3.1. Negativbeispiel: ein Deal mit weitreichenden Folgen 
5.3.2. Positivbeispiel: mit kleinem Einsatz zum Reichtum 

6. Alles zum erfolgreichen Start mit Aktien

6.1. Zwischenhändler für den Kauf von Aktien 
6.2. Handelsgebühren und versteckte Kosten 
6.3. Demokonten als spielerische Herangehensweise
6.4. Konzeption als Weg zum Erfolg

7. Strategien und Auswahlkriterien für Aktien

7.1.1. Viele Wege führen zur Rendite
7.1.2. Value-Investing
7.1.3. Chartanalyse
7.1.4. Bottom-Up- und Bottom-Down-Ansatz
7.1.5. Passive Anlagestrategien: ETF‘s und Investmentfonds

8. Formeln zur Unternehmensbeurteilung 

8.1.1. Eigenkapitalquote
8.1.2. Kurs-Buchwert-Verhältnis
8.1.3. Eigenkapitalrendite
8.1.4. Dividendenrendite
8.1.5. Kursgewinnverhältnis

9. Interpretationsmöglichkeiten von wichtigen Kennziffern bei Aktien

9.1. Vergleich nach Branchen - Grenzen und Möglichkeiten
9.2. Wieso hinter positiven Werten negative Veränderungen stecken können
9.3. Rechnerische Fallbeispiele und Deutungsmöglichkeiten

10. Zinseinnahmen und der Fiskus – steuerliche Aspekten beim Börsenhandel

10.1. Abgeltungssteuer
10.2. Freibetrag 
10.3. Steuerbefreiung - Nichtveranlagungsbescheinigung

11. Fazit: ein Deal mit Risiken und vielen Chancen


1. Themenhinführung

Seit der Finanzkrise 2008 hat sich eine Niedrigzinspolitik bei der Europäischen Zentralbank (EZB) etabliert. Dabei ist der Hintergrund pragmatischer Natur und soll der Wirtschaft dienen. Durch niedrige Zinsen kommen Unternehmer als auch private Verbraucher an Kredite mit niedrigen Zinsen. Gleichzeitig wird das Geld an anderer Stelle entzogen, nämlich beim Sparen. Mittlerweile ist die Null-Zins-Politik der EZB geläufig und es geht soweit, dass Banken, infolge des Paradigmenwechsels, Strafzinsen einfordern.


Folglich gewinnen Aktien zunehmend an Bedeutung, um das eigene Vermögen gewinnbringend anzulegen. Die Börse bietet Einsteigern ideale Bedingungen, um vermögenswirksam zu sparen. Mit Aktien lassen sich solide Renditen erwirtschaften, die mit klassischen Sparbüchern und sonstigen Geldanlagen nicht mehr möglich sind. Aufgrund dessen ist eine Auseinandersetzung mit der Börse von essenzieller Bedeutung, damit das eigene Geld nicht an Wert verliert. 


Abseits von Strafzinsen gibt es inflationäre Einflüsse, sodass Geld an Kaufkraft verliert. Es besteht eine fortwährende Inflationsrate, wobei die Werte - je nach Wirtschaftslage - schwanken. 2011 lag die Inflationsrate bei 2,1 % (Quelle: Inflationsrate bis 2019 | Statista). Ein vermeintlich kleiner Prozentwert mit negativen Langzeitfolgen.  Die Summe von 10.000 €  hätte in einem Zeitraum von zehn Jahren - von 2011 bis 2021 - kontinuierlich an Kaufkraft verloren, bzw. die Kaufkraft würde 2021 lediglich bei 9328, 47 € liegen. Dies entspricht einem prozentualen Verlust der Kaufkraft von 11,91 %! Kommt es zusätzlich zu Negativzinsen, so ergibt sich ein signifikanter Verlust für Sparer (Berechnungsweg: Inflationsrechner-  finanzen-rechner.net).


Aktien können eine adäquate Antwort sein, um diesen Negativtrends entgegenzutreten. Auch Einsteiger können an der Börse ihr Geld renditeorientiert anlegen. Das Handeln mit Aktien wird bis Heute teilweise mit Spekulation und Zocken assoziiert, was jedoch nur bedingt der Realität entspricht. Bei diesem Aktien-Ratgeber für Einsteiger geht es um Chancen und Risiken der Börse und worauf Anfänger achten sollten, damit der Start gelingt. 


2. Aktien: Definition und Bedeutung


2.1. Partizipationsmöglichkeiten am Unternehmen durch Aktien

Bei Aktien handelt es sich um Unternehmensanteile. Aktionäre haben durch den Erwerb ein Mitspracherecht und können auf jährlichen Hauptversammlungen durch Stimmabgabe an wichtigen Entscheidungen mitwirken. Unternehmen profitieren durch die Aktienausgabe, weil dadurch der finanzielle Handlungsspielraum erweitert wird, während Aktionäre durch ihre Investitionen am Erfolg des Unternehmens beteiligt werden. Dennoch gilt zu beachten, dass nicht bei jedem Aktienerwerb ein Mitspracherecht gewährleistet wird. Sogenannte Vorzugsaktien bieten in der Regel eine höhere Rendite, wobei ein Stimmrecht ausgeschlossen ist. Aktionäre können diese Aktien am Akronym o.St. (ohne Stimmrecht) erkennen. 


2.2. Die Börse als Zentrum des Geschehens

Die Aktienbörse ist der Marktplatz, wo Wertpapiere gehandelt werden. Dabei gibt es verschiedene „Ligen“ an der Börse, in denen Unternehmen mitmischen können. Bevor ein Unternehmen an die Börse gehen kann, muss letzteres bestimmte Kriterien erfüllen. Die Richtlinien an der Börse dienen der Qualitätssicherung, damit Aktionäre ein gewisses Maß an Sicherheit haben. 


Damit eine Aufnahme in den Deutschen Aktienindex (DAX) erfolgen kann, müssen Firmen bestimmte Umsatzgrenzen erreichen. Zusätzlich ist die Marktkapitalisierung ein Faktor, der entscheidend für die Aufnahme ist. Die Marktkapitalisierung gibt wider, wie hoch die Anteile eines Unternehmens in einem Börsenmarkt in Relation zu anderen Kontrahenten sind. Bei der Ermittlung wird die Anzahl der Aktien mit dem aktuellen Kurspreis multipliziert. 


Konträr zum DAX, wo umsatzstarke Unternehmen vertreten sind, gibt es für kleinere Unternehmen den SDAX. Derzeitig sind 70 Kleinunternehmen im SDAX vertreten, während es beim DAX 30 sind. Börsennotierte Unternehmen im SDAX sind ebenfalls an Richtlinien gebunden. Zu den Richtlinien gehören zum Beispiel regelmäßige Quartalsberichte, bzw. Publizitätspflichten, die Aufschluss über die wirtschaftliche Lage und die Rentabilität des Unternehmens geben. 


3. Eignungsfähigkeit für die Börse


3.1. Zielgruppe für den Aktienhandel

Grundsätzlich ist der Handel mit Aktien für Studenten, Rentner und Berufstätige lukrativ. Aufgrund der großen Varietät an Möglichkeiten können etwaige Personengruppen ihre Anlagestrategien an der Börse verwirklichen. Somit gibt es im Grunde keine Einschränkung für angehende Aktionäre und Interessierte. Selbstverständlich ist die Ausgangslage bei einem Akademiker besser als bei einem Angestellten, weil in der Regel ein höheres Einkommen vorhanden ist. Dennoch können auch Menschen mit einem geringeren oder moderaten Einkommen die Zeit für sich arbeiten lassen und vom sogenannten Zinseszins-Effekt profitieren. Albert Einstein hat den Zinseszins-Effekt als das Achte Weltwunder bezeichnet. 


3.2. Personengruppen, die von einem Handel absehen sollten

Dabei gibt es auch Argumente gegen den Handel an der Börse. Einsteiger mit einer falschen Erwartungshaltung gegenüber Aktien sollten kritisch hinterfragen, inwieweit die Börse das Richtige ist. Abenteurer, die exorbitante Gewinne über Nacht erwarten, sind an der Börse fehl am Platze. Das schnelle Geld, wie es in Hollywood-Filmen propagiert wird, lässt sich an der Börse nur in den seltensten Fällen realisieren. Selbst Großaktionäre wie Warren Buffet sind nicht über Nacht mit Aktien reich geworden. Starinvestor Buffet hat über Jahrzehnte hinweg, durch umfangreiche Analysen und Investitionen, den Weg zum Reichtum gefunden. Diesbezüglich hat Warren Buffett geäußert: „Wenn Du Dir nicht vorstellen kannst, eine Aktie für zehn Jahre zu halten, dann kaufe sie nicht einmal für zehn Minuten.“


4. Die Risiken an der Börse

Es geht zwar primär um die Vorteile von Aktien in Angesicht der Niedrigzinspolitik der EZB. Dennoch ist es von elementarer Bedeutung auch auf die Risiken einzugehen. Einsteiger sollten sich dessen bewusst sein, dass ein Totalverlust an der Börse jederzeit möglich ist. Deshalb ist eine fundierte Auseinandersetzung mit der Materie bedeutsam, schließlich geht es um das eigene Vermögen. Gute Renditen gehen stets mit Risiken einher. Angehende Anleger sollten ihre Anlagestrategie entsprechend konzipieren, unter Berücksichtigung der eigenen Fähigkeiten und der Bereitschaft Verluste zu erleiden. Je höher die Rendite, desto größer ist das Risiko finanzielle Verluste zu erleiden. 


4.1 Das magische Dreieck als Orientierungspunkt

Es gibt drei Faktoren, die für das eigene Vorgehen relevant sind: Rendite, Verfügbarkeit und Sicherheit. Aktionäre sprechen auch von einem magischen Dreieck. Investoren können nicht von jedem Aspekt gleichermaßen profitieren, bzw. müssen bei einer Schwerpunktsetzung mit Nachteilen an anderen Stellen rechnen. Für die Praxis bedeutet dies, dass eine schnelle Verfügbarkeit von Geldanlagen eine geringere Rendite bietet. Renditestarke Anlagen können wiederum nur begrenzt Sicherheit bieten. Anhand des magischen Dreiecks können Anleger ergründen, wo der Schwerpunkt liegen soll. Prinzipiell gibt es kein Richtig oder Falsch. Wer finanzielle Verluste in Kauf nehmen kann und möchte, kann renditeorientiert investieren. Sparern, bei denen primär Sicherheit im Fokus steht, können in sichere Aktien ihr Geld anlegen, um die Risiken weitgehend zu minimieren. 


4.2. Kein Handel ohne Risiko möglich

Letztlich gibt es keine Garantie für die Sicherheit einer Aktie, unabhängig von der Anlagestrategie. Deshalb ist der Aktienhandel mit einem gewissen Nervenkitzel verbunden. Wer mit diesen Unsicherheiten nicht zurechtkommt oder Verluste nur schwer aushalten kann, sollte gegebenenfalls auf einen Handel verzichten. Ein Verlust ist Teil des Handels und wird mit den Jahren durch die Rendite ausgeglichen. Für Aktionäre ist es von ausschlaggebender Bedeutung Verluste aushalten zu können, bzw. aussitzen zu können, was Selbstdisziplin erfordert. Denn wer ständig seine Aktien, infolge von Verlusten, verkauft und neue kauft verschlimmert im Regelfall die Situation. Eine Börsenweisheit ist: „Hin und Her macht Taschen leer.“

5. Wichtige Verhaltens- und Persönlichkeitseigenschaften für die Börse

Anfänger sollten fundamentale Verhaltensweisen verinnerlichen, bevor es zum Handel übergeht. Oftmals überschätzen sich angehende Investoren oder lassen sich zu waghalsigen Investitionen hinreißen, was zu schmerzhaften Verlusten führen kann. Großaktionär Warren Buffett gibt als Tipp: „Investiere nur in eine Aktie, deren Geschäft du auch verstehst.“  Es ist wichtig, dass Anleger nicht blind in Anlagen investieren, die derzeitig im Trend sind. Hinter einem hohen Aktienkurs stehen Emotionen von Anlegern, die jedoch nichts über die Unternehmenssubstanz aussagen, bzw. über den Wert eines Unternehmens. Hohe Aktienkurse stehen für die Hoffnungen der Aktionäre, die sie in eine Idee oder ein neues Produkt setzen. Doch die Kurse können auch über Nacht fallen, wie es zum Beispiel bei WireCard der Fall war. Der aktuelle Aktienkurs von WireCard liegt bei 0,38 €. (Stand: 13.04.2021) Buffett hat treffend gesagt: „Der dümmste Grund eine Aktie zu kaufen, ist, weil sie steigt.“


5.1 Wissen als beste Investition zum Aktienhandel 

Angehende Aktionäre sollten bereit sein sich Wissen anzueignen. Nicht jeder Anleger muss zum Experten werden, aber ein Mindestmaß an Grundwissen bildet ein solides Fundament für sicheres Handeln. Auf diese Weise können Anleger selbstbestimmt und unabhängig von Trends handeln. Eine erfolgreiche Anlagestrategie lässt sich nur mit Wissen konzipieren. Unglücklicherweise kursieren zahlreichen Falschmeldungen rund um den Aktienmarkt auf unzähligen Plattformen mit dem Ziel die Kurse zum eigenen Vorteil zu beeinflussen. Wer jedoch die Unternehmen analytisch erfassen und beurteilen kann, vermindert die Gefahr einen Fehlkauf zu tätigen. 


5.2 Emotionen Einhalt gebieten - irrationales Handeln vermeiden

Ein Stolperstein an der Börse sind Emotionen. Letztere werden häufig von dubiosen Anbietern gezielt eingesetzt, um falsche Hoffnungen und Erwartungen zu wecken. Selbst vermeintlich erfahrene Aktionäre lassen sich zu fragwürdigen Käufen verleiten. Folglich ist es bedeutsam nüchtern zu bleiben und Emotionen keinen Raum zu geben. Anderenfalls kommt es zu irrationalen Entscheidungen, die in einem finanziellen Fiasko enden können. Entscheidungen sollten auf rationaler Ebene getroffen werden. Angebote der Superlative, die eine unrealistische Rendite in Aussicht stellen, sollten gemieden werden. Es ist – wie bereits erwähnt – ein Trugschluss, dass an der Börse hohe Summen innerhalb kürzester Zeit erzielt werden können. 


5.3.1. Negativbeispiel: ein Deal mit weitreichenden Folgen

Ein Ingenieur aus der Schweiz durfte am eigenen Leib erleben, was es bedeutet hohe Verluste zu erleiden. Die Investition endete in einem finanziellen Ruin, dabei hatte der Ingenieur lediglich 2.800 € investiert und hatte am Ende Schulden in Höhe von 280.000 €. Er hatte mit CFD‘s gehandelt, die als höchst spekulative Anlageform gelten. (Quelle:  Franken-Kurs: Ingenieur setzt 2800 - und verliert 280.000 Euro - DER SPIEGEL )

5.3.2. Positivbeispiel: mit kleinem Einsatz zum Reichtum

Zur Motivation folgt auch ein Positivbeispiel, welches die Möglichkeiten von Aktien aufzeigt. Es gab einen Trend, den selbst Warren Buffett damals nicht erkannt hat (Quelle: Diese Investments bereuen Warren Buffett & Co. | 05.03.21 | finanzen.at), nämlich das Onlinegeschäft. Jeff Bezos stand am Anfang seiner Karriere und musste noch um Investoren werben. Wer 1997 lediglich $1000 investiert hätte, würde heute auf ein schätzungsweises Vermögen von $640.000 zurückgreifen (Quelle: Wer 1997 nur 1000 Dollar in die Amazon-Aktie investiert hätte, wäre heute halber Millionär | MEEDIA). Der Startpreis lag bei $18 und liegt derzeitig bei  $3.363. (Stand: 22.04.2021)


6. Alles zum erfolgreichen Start mit Aktien


6.1. Zwischenhändler für den Kauf von Aktien

Damit Aktien gekauft werden können braucht es einen Zwischenhändler, der die Kaufabwicklungen zwischen Aktionären und Unternehmen vermittelt. Es geht um das Depot, wo die Wertpapiere verwahrt werden. Diese sind unter dem Synonym Broker bekannt. Heutzutage gibt es zahlreiche Online Broker, die einen Handel zu fairen Angeboten ermöglichen. Ebenso wichtig, wie die Anlagestrategie selbst, ist auch die Auswahl des Brokers. Die Kostenstaffelung bei jedem Broker ist anders und es ist wichtig zu prüfen, welcher Broker zur eigenen Anlagestrategie passt. 


6.2. Handelsgebühren und versteckte Kosten

Aktive Aktionäre, die häufig kaufen und verkaufen, sollten auf eine niedrige Handelsgebühr, bzw. Ordergebühr achten. Passive Anleger, die in ETF‘s investieren möchten, sollten nach Anbieter Ausschau halten, die umfangreiche Sparpläne anbieten. Aktionäre sollten stets beachten, dass die Fixkosten des Brokers sich unmittelbar auf die Gesamtrendite auswirken! Deshalb sollten Broker mit einer monatlichen Grundgebühr gemieden werden. 


Mittlerweile wird auch bei einigen Brokern ein Negativzins für das Deponieren von Geldbeständen erhoben. Auch von solchen Anbietern sollten sich Anleger distanzieren, weil es langfristig die Rendite schmälern wird. Tendenziell sind Online Broker die günstigste Variante für Sparer, weil hier die Kosten für Personal entfallen. Klassische Filialbanken bieten ebenfalls diesen Service an, doch es können höhere Kosten anfallen. Es gilt im Einzelfall zu prüfen und zu vergleichen im Zuge der Entscheidungsfindung. 


6.3. Demokonten als spielerische Herangehensweise

Des Weiteren gibt es die Möglichkeit sich spielerisch unter realen Bedingungen in den Aktienmarkt heranzutasten. Viele Broker bieten kostenlose Demokonten an, um mit fiktiven Geldsummen in verschiedene Aktien zu investieren. Der Vorteil ist, dass die investierten Beträge den realen Bedingungen des Aktienmarktes ausgesetzt sind, sodass ein realistisches Bild entsteht. Anfänger können ihre Strategien prüfen und werden schnell merken, wo die Schwächen liegen und wie unbeständig die Märkte sein können. 


6.4. Konzeption als Weg zum Erfolg

Schließlich ist ein Konzept wegweisend für einen erfolgreichen Aktienhandel. Anhand des magischen Dreiecks sollten angehende Aktionäre festlegen, wie viel Verlust vertretbar ist und wie viel Risiko sie eingehen möchten. Dabei ist es wichtig die fixierten Ziele und Grenzen einzuhalten. Ist ein Verlust eingetreten, der laut Strategie einen Verkauf vonnöten macht, so ist es wichtig Taten folgen zu lassen. Anderenfalls geht die Sinnhaftigkeit einer Strategie verloren. Sicherlich können Feinjustierungen am eigenen Plan vorgenommen werden und dergleichen. Dennoch gilt es ein launisches oder sprunghaftes Verhalten zu vermeiden. 


7. Strategien und Auswahlkriterien für Aktien

Die Königsdisziplin unter Aktionären ist das Konzept nach denen der Kauf und Verkauf von Wertpapieren erfolgt. Als Anfänger steht man einer großen Informationsflut entgegen. Doch mit zunehmender Erfahrung erweisen sich viele Dinge als weniger kompliziert als es zu Anfang scheint. Ein wichtiger Terminus für den Handel ist Diversifikation oder einfach ausgedrückt: nicht alle Eier in einen Korb leben! Ganz gleich, welche Anlagestrategie verfolgt wird, es ist von Vorteil, wenn die Investitionen nach Möglichkeit breit gestreut sind. Auf diese Weise können Verluste ausgeglichen werden und das Risiko eines Totalverlustes wird signifikant verringert. 


Für das Konzept gibt es kein Patentrezept für Erfolg. Dabei ist es wichtig, dass Anleger selbst ihre Vorgehensweise verstehen und auch auf Plausibilität prüfen können. Ein blindes Nachahmen von Strategien ist nicht zielführend und kann ein Risiko darstellen, sofern ein tiefgehendes Verständnis für bestimmte Investitionen fehlt. 


7.1.1. Viele Wege führen zur Rendite

Doch wie lässt sich die passende Aktie ausfindig machen? Aktionäre wenden hier verschiedene Methoden an, nach denen sie Wertpapiere selektieren. Dabei kommen mathematische Formeln zum Einsatz als auch Diagramme, die analysiert werden. Die Daten für die Berechnung können in Quartalsberichten der Unternehmen entnommen werden. Wenn Unternehmen umfangreich auf ihre Wertigkeit, bzw. ihren Preis analysiert werden und andere wichtige Faktoren, spricht man auch von einer Fundamentalanalyse. Es geht um die tatsächliche Unternehmenssubstanz, unabhängig von Trends. Es folgt ein Überblick zu den verschiedenen Tools und Strategien, die zur Wertermittlung beitragen.


7.1.2. Value-Investing

Value-Investing ist eine beliebte und aussagekräftige Vorgehensweise, um den substanziellen Wert einer Aktie zu ermitteln. Das Fundament der Value-Strategie bildet die Fundamentalanalyse. Zu den Verfechtern des Value-Investings gehört Warren Buffett. Aufgrund seiner analytischen und systematischen Vorgehensweise konnte Buffett unterbewertete Unternehmen finden – sogenannte Underachiever – und ein beachtliches Vermögen aufbauen. Zeitweise hatte Buffett in Firmen investiert, die als Außenseiter galten und von anderen Aktionären gemieden wurden. Mit der Zeit haben sich die vermeintlichen Außenseiter zu Trendsettern entwickelt. 


Value-Investoren sind somit im Bestreben Unternehmen zu finden, deren Aktienkurs nicht den tatsächlichen Wert widerspiegelt. Durch das günstige Kaufen von Wertpapieren von Underachievern, ist es möglich zu einem späteren Zeitpunkt die Aktien um ein Vielfaches zu verkaufen. Aufgrund dessen sollten Value-Investoren – laut Warren Buffett – die Bereitschaft haben eine Aktien zehn Jahre zu halten. Beim Value-Investing werden wichtige Kennzahlen von Unternehmen, wie Umsatz und Kapitalfluss untersucht. Dabei werden zahlreiche andere Faktoren mit einbezogen, wie zum Beispiel der USP eines Produktes oder einer Dienstleistung und die Konkurrenzfähigkeit eines Unternehmens. 


7.1.3. Chartanalyse

Die Chartanalyse erfolgt mithilfe von Visualisierungen und Daten, die idealerweise möglichst weit in die Vergangenheit reichen. Anleger sprechen hierbei auch von einer technischen Analyse. Mit verschiedenen Visualisierungen lassen sich Aktienkurse darstellen, sodass Anleger bestimmte Trends ableiten können, die sich fortwährend wiederholen. Auf diese Weise soll der beste Zeitpunkt zum Kaufen und Verkaufen abgeleitet werden. Hier geht es weniger um den realwirtschaftlichen Wert eines Unternehmens, wie es beim Value-Investing der Fall ist. Hier stehen primär statistische Daten im Fokus. Anhand der Daten lassen sich Hoch- und Tiefpunkte fixieren und zeitlich zuordnen. Einige Aktien weisen eine Beständigkeit auf, bzw. unter- oder überschreiten bestimmte Werte nicht. 


Anleger können mit kostenloser oder kostenpflichtiger Software eine Chartanalyse durchführen. Bei vielen Brokern ist es ohnehin möglich Diagramme einzusehen. Anleger können den Zeitraum wählen und etwaige Daten und Schwankungen einsehen. Hiermit kann – unter anderem – die Volatilität eingesehen werden. Bei der Volatilität handelt es sich um die Schwankungsintensität, bzw. um die Anfälligkeit einer Aktie für Kursschwankungen. 


7.1.4. Bottom-Up- und Bottom-Down-Ansatz

Beim Buttom-Up-Ansatz geht es darum – wie der Wortlaut bereits vermuten lässt – sich von unten nach oben heranzutasten. Technik-affine Personenkreise, die sich für bestimmte Innovationen begeistern, können mit dem Bottom-Up-Ansatz ein Konzept herleiten. Ist ein Produkt oder ein Hersteller vorhanden, der einem selbst überzeugt, so können angehende Anleger prüfen, wie die Profitabilität des Herstellers ist. Die Geschäftsidee kann mit wichtigen Kennzahlen auf ihre Konkurrenzfähigkeit und vieles mehr untersucht werden. Im Zuge dieser Methode ist es wichtig die Gesamtbranche mit einzubeziehen, um zum Beispiel Vergleichswerte zu haben. Eventuell finden sich in der Branche Unternehmen deren Börsenpreis günstiger ist. 


Konträr zum Bottom-Up-Ansatz gibt es den Bottom-Down-Ansatz. Das Prinzip ist das gleiche mit der einzigen Ausnahme, dass Aktionäre sich von oben nach unten durcharbeiten. Vor allem Neulinge, die noch nicht genau wissen, welche Aktie infrage kommt, können mit dieser Methode sich Impulse einholen. Beim Bottom-Down-Ansatz wird in erster Instanz eine Branche als Gesamtheit beurteilt, bevor es dazu übergeht einzelne Unternehmen abzuleiten. 


7.1.5. Passive Anlagestrategien: ETF‘s und Investmentfonds

ETF-Sparpläne:

Nicht jeder Anleger möchte sich eingehend mit Formeln und Fundamentaldaten auseinandersetzen. Alternativ ist es möglich auf eine passive Anlagestrategie zu setzen. Mit einem ETF-Sparplan können Aktionäre mit einer Beitragszahlung gleich in mehrere Unternehmen investieren. Die Renditechancen sind weniger aussichtsreich als beim aktiven Handel. Der Vorteil ist jedoch, dass grundsätzlich kein aktives Eingreifen notwendig ist. ETF-Sparer können in einen ganzen Markt investieren, bzw. in einen Aktienindex, wie zum Beispiel den DAX. Dies ermöglicht einer gute Diversifikation. Kommt ein Unternehmen in eine finanzielle Schieflage, so wird der Verlust durch die breite Streuung ausgeglichen. Im Deutschen Aktienindex sind insgesamt 30 Unternehmen gelistet.

Investmentfonds:

Wer dennoch seine Renditeaussichten verbessern möchte kann auf einen aktiv gemanagten Fond zurückgreifen. Investoren selbst müssen auch hier nicht eingreifen. Die Rendite steht in Abhängigkeit zum Fondsmanager, bzw. der Erfolg hängt von der Expertise des Verwalters ab. Eine Fondsgesellschaft bündelt das Kapital von seinen Investoren und investiert es entsprechend der deklarierten Anlagestrategie. Die Gesellschaft kann verschiedene Schwerpunkte haben, bzw. sich auf den asiatischen Markt oder deutschen Markt beschränken. Dabei sind Fonds nicht nur länderspezifisch. Ein Fondsmanager kann in bestimmte Produktgruppen investieren, wie beispielsweise in innovative Technik oder Rohstoffe. Ein Vorteil für Anleger ist, dass sie mit verhältnismäßig geringen Summen in verschiedene Aktienpakete investieren können. Doch Vorsicht: selbst bei einem guten Management ist eine gute Rendite nicht garantiert, etwa dann, wenn die Investitionen in einen unbeständigen Markt erfolgen. Bei schwachen Renditen müssen Anleger dennoch die Kosten für den Verwalter tragen. 


8. Formeln zur Unternehmensbeurteilung 

Damit ein Unternehmen auf den inneren Wert untersucht werden kann, können Anleger den aktuellen Aktienpreis in Relation zur wirtschaftlichen Leistung und anderen Kennziffern setzen. 

8.1.1. Eigenkapitalquote

Mit der Eigenkapitalquote können Anleger zum Beispiel prüfen, wie hoch der Eigenanteil in der Unternehmensfinanzierung ist. Die Eigenkapitalquote gibt somit wider, wie gut ein Unternehmen sich selbst finanzieren kann. Es geht um die eigene Ertragskraft einer Firma. Unternehmen mit soliden Werten sind unabhängiger und haben eine geringere Verschuldungsquote. Bei der Berechnung wird das Eigenkapital durch das Gesamtkapital dividiert. Je höher der ermittelte Wert, desto krisenresistenter ist ein Unternehmen. 

8.1.2. Kurs-Buchwert-Verhältnis

Eine weiter Wert, der sich nicht nur auf das finanzielle beschränkt, ist der KBV-Wert, bzw. das Kurs-Buchwert-Verhältnis. Die Werte beziehen sich auf materielle Güter, also auf die Unternehmenssubstanz. Niedrige Werte bei der Berechnung sind ein Indikator dafür, dass verhältnismäßig viele Unternehmensanteile zum geringen Aktienpreis erworben werden. Die Division aus Börsenkurs und Buchwert pro Aktie ergibt den KBV-Wert. 


8.1.3. Eigenkapitalrendite

Wer Unternehmen auf Profitabilität und Effizienz prüfen möchte, kann die Eigenkapitalrendite verwenden. Sie gibt an, wie effizient und wirtschaftlich das Management einer Firma das Kapital reinvestiert. Es geht dabei gewissermaßen um die eigene Rendite des Unternehmens, bzw. um die Vermehrung des eigenen Kapitals. Die Eigenkapitalrendite ergibt sich aus der Division von Gewinn und Eigenkapital. Die Dezimalzahl kann mit dem Faktor 100 multipliziert werden, um einen prozentualen Wert zu ermitteln.


8.1.4. Dividendenrendite

Unternehmen mit einer Dividendenausschüttung können auf die Verhältnismäßigkeit zwischen Dividendenhöhe und Aktienkurs geprüft werden. Aktionäre können die Dividendenstärke mathematisch ermitteln. Diese ergibt sich aus der Division von Nettodividende pro Aktie und dem Börsenkurs. Das Ergebnis wird mit dem Faktor 100 multipliziert, um einen prozentualen Wert zu haben. Hat ein Unternehmen die Dividendenausschüttung in den letzten 25 Jahren kontinuierlich fortgesetzt und erhöht, so sprechen Aktionäre von Dividenden-Aristokraten. Es sind Unternehmen, die als krisensicher gelten, aufgrund der hohen Marktkapitalisierung und der Beständigkeit. Dennoch gilt es Vorsicht walten zu lassen! Die Dividendenrendite hat letztlich keine Aussagekraft in puncto Wirtschaftlichkeit und Effizienz. Nicht selten zahlen auch angeschlagene Unternehmen eine Dividende aus, um von der finanziellen Misslage abzulenken. Deshalb sind Dividendenzahlungen kein Indikator für Erfolg. In einigen Fällen kann sogar eine unverhältnismäßig hohe Dividendenausschüttung dem Unternehmen langfristig schaden. 


8.1.5. Kursgewinnverhältnis

Es bleibt noch das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), welches häufig als erster Anhaltspunkt unter Investoren gilt. KGV-Werte geben wider, wie das Verhältnis von Aktienpreis und Unternehmensleistung ist. Mit der Formel können leistungsstarke Unternehmen mit hohen Gewinnspannen ausfindig gemacht werden, die gleichzeitig einen niedrigen Aktienpreis haben. Die Berechnung von KGV-Werten erfolgt durch die Division von Aktienpreis und Gewinn pro Aktie. Niedrige Werte stehen für einen günstigen Preis, während hohe Werte für überbewerte Unternehmen sprechen. Die KGV-Formel ist identisch zur KCV-Formel, wobei das Kurs-Cashflow-Verhältnis grundsätzlich mehr Aussagekraft besitzt. Denn der Cashflow bezieht sich auf Kapital, welches dem Unternehmen tatsächlich zur Verfügung steht, während der Jahresgewinn nicht dem finalen Gewinn entspricht, weil steuerliche Abzüge und dergleichen nicht berücksichtigt sind. 


9. Interpretationsmöglichkeiten von wichtigen Kennziffern zum Kauf von Aktien

Neulinge an der Börse sollten sich dessen bewusst sein, dass ein Wert für sich allein betrachtet nur bedingt eine Aussagekraft hat. Ein ganzheitlicher Rundumblick macht erst einen realistischen Vergleich möglich. Folglich ist es wichtig ein Unternehmen unter möglichst vielen Aspekten zu untersuchen. Dies erfordert den Einsatz von mehreren Formeln. Dabei braucht es Erfahrung und branchenspezifisches Wissen, um Zahlenwerte entsprechend einordnen zu können. 


9.1. Vergleich nach Branchen - Grenzen und Möglichkeiten

Zudem ist es nicht in allen Fällen möglich einen branchenübergreifenden Werte-Vergleich zu initiieren. Für die Praxis bedeutet dies, dass nur Unternehmen einer Branche, wie zum Beispiel der Automobilbranche, mit den Formeln verglichen werden können. So ist es beispielsweise nicht zielführend das Kurs-Buchwert-Verhältnis eines Autoherstellers mit einem Dienstleister zu vergleichen. Denn ein Dienstleister wird scheinbar schlechtere Werte erzielen, weil es in der Dienstleistungsbranche grundsätzlich weniger materielle Güter gibt, die in Unternehmensbesitz sind.


9.2. Wieso hinter positiven Werten negative Veränderungen stecken können

Beachtenswert ist die Tatsache, dass vermeintlich gute Werte nicht in allen Fällen auch auf Positives zurückzuführen sind. Jede Formel hat ihre Vor- und Nachteile und Berechnungen sind anfällig für Fehler und Manipulationen. Dies führt nicht selten zu Fehlinterpretationen, sofern die Werte keiner näheren Untersuchung unterzogen werden. Anleger sollten ergründen, wie ein Wert zustande kommt, bzw. worauf ein positiver oder negativer Trend zurückzuführen ist. Es folgen zwei Beispiel, um die Problematik zu verdeutlichen. 


9.3. Rechnerische Fallbeispiele und Deutungsmöglichkeiten

Beispiel 1:
Ein junges Unternehmen hat ein Eigenkapital von 200.000 €. Der Gewinn für das vergangene Geschäftsjahr 2019 betrug 19.000 €. Die Eigenkapitalrendite für das Jahr 2019 beträgt 9,5 % (Eigenkapitalrendite = Gewinn / Eigenkapitel * 100). 2020 hatte das Unternehmen mit finanziellen Einbußen zu kämpfen, sodass die Eigenkapitalrendite 2021 um 37,5 % gefallen ist und bei 125.000 € lag. Die Gewinnspanne ist um 21 % eingebrochen und lag 2020 nur noch bei 15.000 €. Es ergibt sich dennoch eine Eigenkapitalrendite von 12 %.


Beispiel 2: 
Bei einem wirtschaftlich starken Unternehmen lagen die Gewinne für das Jahr 2019 bei 175.000 € und das Eigenkapital betrug 1.250.000 €. Es ergibt sich eine Eigenkapitalrendite von 14 %. 2021 sind die Gewinne um 5 % gestiegen. Dies entspricht einer Gewinnspanne von 185.000 €. Gleichzeitig hat das Unternehmen das Eigenkapital um 40 % erhöht, um sich gegenüber Krisen abzusichern. Das Eigenkapital lag 2021 bei 1.750.000 €. Für 2021 ergibt sich ein schlechterer Wert für die Eigenkapitalrendite, denn diese beträgt nach der Erhöhung des Eigenkapitals bei 10,6 %. 


Fazit: 
Ein isoliertes Betrachten der Werte, ohne Einbeziehung von weiteren Aspekten, würde die Vermutung zulassen, dass das junge Unternehmen aus dem ersten Beispiel besserer wirtschaftet als das umsatzstarke Unternehmen aus dem zweiten Beispiel. Die Missdeutung von wichtigen Kennzahlen kann zu riskanten Fehlkäufen führen. Deshalb sollten Aktionäre die Grenzen einer Formel kennen, um Zahlenwerte in einen adäquaten Kontext zu bringen. 


10. Zinseinnahmen und der Fiskus – steuerliche Aspekte beim Börsenhandel

Hier sei ausdrücklich auf die Eigenverantwortlichkeit des Einzelnen hingewiesen in puncto steuerliche Meldepflichten etc. Der Ratgeber kann aufgrund regionaler Unterschiede in der Gesetzgebung und der individuellen Ausgangslage jedes Anlegers keine professionelle Beratung ersetzen. Es dient lediglich als Orientierungspunkt, um auf die Notwendigkeit hinzuweisen. 


10.1. Abgeltungssteuer

Seit dem Jahre 2009 gilt für Kapitalerträge ein einheitlicher Steuersatz in Höhe von 25 %. Es handelt sich um die Abgeltungssteuer. In der Regel führen Broker die Steuer automatisch mit dem Solidaritätszuschlag und der Kirchensteuer ab, sodass Aktionäre die Gewinne selbst nicht in der Steuerklärung angeben müssen. Daher der Wortlaut Abgeltungssteuer. Die Gewinne sind nach Abführung durch den Broker abgegolten. 


10.2. Freibetrag 

Zinseinkünfte müssen jedoch erst ab einer gewissen Gewinnspanne abgeführt werden. Das Finanzamt räumt Alleinstehenden einen Freibetrag in Höhe von 801 € ein. Für Verheiratete gilt ein Freibetrag von 1.602 €. Anleger sollten vor Tätigung einer Investition einen Freistellungsantrag beim jeweiligen Broker stellen. Anderenfalls werden Gewinne versteuert, auch wenn letztere unter dem Freibetrag liegen. Dabei können Anleger den Freibetrag aufteilen und auf mehre Geldanlagen aufteilen. Hier können Anleger die Summe für den Freibetrag individuell auswählen. Doch Vorsicht: der Freibetrag von 801 € darf nicht überschritten werden. Anderenfalls kann das Finanzamt Betrug unterstellen und es drohen hohe Strafzahlungen. 


10.3. Steuerbefreiung - Nichtveranlagungsbescheinigung

Bestimmte Personengruppen, wie Kinder, Rentner und Studenten, deren Einkommen unterhalb des Grundfreibetrags liegt, können sich von der Abgeltungssteuer befreien lassen. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass Einkommen erst ab einem bestimmten Betrag einkommensteuerpflichtig ist. Der Grundfreibetrag liegt für ledige Personen2021 bei 9.744 €. Verheirateten wird ein Grundfreibetrag von 19.488 € gewährt. Mit einer Nichtveranlagungsbescheinigung beim zuständigen Finanzamt können Anleger sich – sofern die Kriterien zutreffen – von der Abgeltungssteuer befreien lassen. Die Pflicht einer Steuererklärung entfällt ebenfalls, weil keine Einkommenssteuerpflicht vorliegt. 


11. Fazit: ein Deal mit Risiken und vielen Chancen

Dieser Ratgeber hat mehrere Themen an der Oberfläche „angekratzt“, um Neulingen erste Impressionen rund um das Börsengeschehen zu vermitteln. Anderenfalls wäre es kein Ratgeber geworden, sondern ein ganzes Buch, aufgrund der Komplexität und den nahezu endlosen Möglichkeiten, die mit dem Aktienhandel einhergehen. Aktien sind bis heute mit vielen Vorurteilen behaftet, die aber nur zum Teil zutreffen. Denn der Handel an der Börse ist weit mehr als Spekulation. Es gibt nicht umsonst zahllose Bücher zum Börsenhandel und ein Handel an der Börse setzt bestimmte Kompetenzen voraus. 


Die Ausnahme bestätigt die Regel. Es gibt zur Genüge Negativbeispiele, wo Menschen durch Spekulation ihr Vermögen verloren haben, bzw. einen Totalverlust erlitten haben. Doch jeder Anleger hat es selbst in der Hand und kann bis zu einem gewissen Grad das Risiko selbst bestimmen. Mit einschlägigen Analysen und einer rationalen Vorgehensweise kann das eigene Vermögen breit gestreut angelegt werden, sodass die Möglichkeit eines Totalverlustes gering ist, wenn auch nie ganz ausgeschlossen bleibt.

Aktien sind letztlich eine gute und solide Alternative zu unlukrativen Sparbüchern. Aufgrund der zunehmenden Anzahl an Banken, die Negativzinsen einführen, ist eine Auseinandersetzung mit der Börse von ausschlaggebender Relevanz. Anleger müssen nicht die Fachexpertise, wie Aktienprofis haben, um das eigene Geld gewinnbringend anzulegen. Durch passive Handelsstrategien, wie zum Beispiel ETF-Sparpläne, können Anleger solide Renditen erzielen und durch die Diversifikation die Risiken minimieren. 

Wer jedoch die eigenen Ressourcen für Analysen und umfangreiche Vergleiche investieren möchte, kann mit einer entsprechenden Anlagestrategie beim aktiven Aktienhandel große Gewinnsprünge erzielen, die mit passiven Anlagestrategien nicht möglich sind. Mit System und Wissen bietet der Aktienhandel nahezu unbegrenzte Möglichkeiten und im Prinzip kann jeder, der sich damit eingehender befasst, neue Meilensteine in puncto Finanzen erreichen. Die eigene Kompetenz und Strategie ist maßgebend für den Handel mit Aktien!